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| Kinostart: 21.06.2007 | | OBABA | | Spannend wie ein Krimi, poetisch und skurril und mit sicherem Gefühl für komplexe menschliche Gefühle -- Armendáriz liefert ein kleines Meisterwerk über das Alleinsein und den Umgang mit der eigenen Identität. |  | LOURDES (Barbara Lennie), Studentin und abgeklärte Städterin, fährt in die Berge, um in Obaba einen Videofilm über das Leben der dortigen Bewohner zu drehen.
Schon auf dem Weg dahin bekommt sie erste Hinweise darauf, was sie in Obaba erwartet. Als sie ISMAIL (Hector Colome) begegnet, den sie später als Eigentümer des örtlichen Gasthauses wieder treffen wird , murmelt er düster, dass Obaba noch „87 Kurven“ entfernt sei. In der Hand gepackt hält er dabei eine lebendige Eidechse. Als LOURDES wenig später den alten TOMAS (Txema Blasco) nach dem Weg fragt, erzählt ihr dessen Schwester BEGONA (Inake Irastorza) in hysterischem Sätzen, dass ihr Bruder taub sei, seit ISMAEL ihm während der gemeinsamen Schulzeit eine Eidechse ins Ohr gesteckt, und diese Teile seines Gehirns verschlungen hätte. Für LOURDES ist die Vorstellung absurd. Als sie aber später ein altes Photo an der Wand des Gasthauses betrachtet, erscheint ihr die Geschichte in einem anderen Licht.
Überhaupt haben die Leute in Obaba seltsame Geschichten zu erzählen - und sie tun das erstaunlich offen gegenüber einer Frau, die nicht „dazu gehört“. Von denen, die sie ein wenig näher kennen lernt, sammelt sie Bruchstücke aus der Vergangenheit, die sich nach und nach wie ein Puzzle zusammensetzen: von dem, was einmal passiert ist und heute noch wirkt, und von dem, was hätte werden können und von dem sie nicht aufgehört haben zu träumen.
Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die am Ende zu Leidenschaft führen, zu Eifersucht und Neid und zu Gewalt.
Eine der Geschichten handelt von einer einsamen Lehrerin (Pilar Lopez de Ayala), die endlos auf die niemals ankommenden Briefe ihres Liebhabers wartet. Eine zweite erzählt vom Ertrinken der Schwester eines geistig labilen Mannes. Ein anderes Kapitel erzählt die Brieffreundschaft von ESTEBAN (Ryan Cameron), dem Sohn eines Ingenieurs, mit einem Mädchen in Deutschland. Und auch die Frau (Mercedes Sampietro), die regelmäßig Blumen auf das Grab des deutschen Ingenieurs (Peter Lohmeyer) legt, hat eine Vergangenheit.
Zu ihrer Überraschung bekommt LOURDES das sichere Gefühl, dass alle Geschichten aus dem Dorf irgendwie miteinander verwoben sind, hintergründig, mit kaum wahrnehmbaren Fäden. Mit jedem Geheimnis, das sie von den Leuten des Dorfes erfährt, wird ihr klarer, wie stark diese in ihrer Vergangenheit verhaftet, ja gefangen sind. Ihr scheint, dass sie sich auch gar nicht aus ihrer Lage befreien können - oder wollen.
Aber je mehr LOURDES über die Leute von Obaba und ihr Leben zu wissen scheint, desto weniger gelingt es ihr, die Tatsachen zu finden, die sie in ihrer Videokamera festhalten will. Bald kann sie sich der seltsamen Sicht auf die Dinge des Lebens und den Regeln nicht mehr entziehen, die diese Gemeinschaft in ihrer Abgeschlossenheit von der Welt draußen entwickelt hat.
Nach und nach und ohne es zu merken, wird sie in eine Sphäre gezogen, in der Einbildung und Realität nicht zu unterscheiden sind. Die Geschichten und Legenden nehmen ihre Emotionen gefangen und bemächtigen sich ihrer lebendigen Phantasie, bis sie selbst ein Teil dieses kleinen Kosmos wird.
OBABA ist Montxo Armendáriz’ Verfilmung des Buches „Obabakoak oder Das Gänsespiel“, mit dem der Autor Bernardo Atxaga der baskischen Sprache ihren Platz in der Weltliteratur erobert hat. Das Buch, in Spanien ein dauerhafter Beststeller und weltweit in viele Sprachen übersetzt, kann man als das literarische Werk der baskischen nationalen Identität schlechthin bezeichnen.
Dem Regisseur und seinem Team ist es gelungen, aus diesen Kurzgeschichten des Fabulierens einen Film zu machen, der mit spielerischem Blick auf den fiktiven Ort Obaba einen skurrilen Kosmos zu zaubert, in dem Verfremdung und Parodie die Sinne berauschen.
Im Grunde genommen handeln in OBABA die mit genussvollen Worten und Sätzen erzählten Geschichten allesamt vom Geschichtenerzählen selbst. So wird - ganz in der Tradition des spanischen Kinos von Bunuel bis Almodovar - das Phantastische real, und das Reale wird phantastisch.
OBABA ist eine spanisch-deutsche Koproduktion (2005) von Oria Films, Neue Impuls Film und Pandora Film, die z.T. in Hamburg hergestellt und in Hamburg gefördert wurde. Der Hamburger Schauspieler Peter Lohmeyer spielt eine der Hauptrollen. |
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MOVIE FACTS |
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 | | Originaltitel: |  | Obaba | | Land: |  | Spanien / Deutschland | | Herstellungsjahr: |  | 2006 | | Lauflänge: |  | 107 |
|  | | Regie: |  | Montxo Armendáriz | | Darsteller: |  | Barbara Lennie, Pilar Lopez de Ayala, Juan Duego Botto, Peter Lohmeyer, Mercedes Sampetro, Eduard Fernandez, Hector Colomé |
|  | | Bildformat: |  | 1 : 1,85 | | Tonformat: |  | Dolby Digital Spanisches Original mit deutschen Untertiteln |
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