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Kinostart: 01.07.10
DEUTSCHE SEELEN - LEBEN NACH DER COLONIA DIGNIDAD
Ein erschütternder und brisanter Dokumentarfilm von Martin Farkas und Matthias Zuber über die Menschen, die nach dem Ende der Colonia Dignidad immer noch auf deren Areal wohnen.
Rüdiger war ein Kind, Aki zwei Monate alt und Kurt der Stellvertreter des pädophilen Sektenchefs. Sie kamen 1962 gemeinsam mit 500 anderen deutschen Sektenmitgliedern nach Chile und lebten über 40 Jahre weggeschlossen von der Welt. Der Film erzählt den Versuch, nach Jahrzehnten von Verbrechen wie Folter und Mord als Kollektiv weiter zu bestehen. Es sind deutsche Geschichten von Verdrängung, Sehnsucht, romantischem Schwärmen und Verzweiflung. Es ist ein Film über Schuld, Opfersein und dem Umgang damit. DEUTSCHE SEELEN - LEBEN NACH DER COLONIA DIGNIDAD zeigt konfliktreiche, persönliche Geschichten, die jedoch weit über das Persönliche hinaus etwas über die Funktions- und Wirkungsweisen totalitärer Systeme und deren Folgen für den Einzelnen erfahrbar machen.

SÜDDEUTSCHE ZEITUNG:
1961 siedelte sich der ehemalige evangelische Jugendpfleger Schäfer in der
chilenischen Provinz an, um dort ein Paradies auf Erden zu errichten. In der
Realität lebten die Menschen dort eingesperrt in einer perfiden Hölle aus sexuellem Missbrauch von Kindern, zerschlagenen Familienstrukturen, Abhängigkeit und schwerster psychischer wie physischer Gewalt. Zudem nutzte der Machtapparat Augusto Pinochets die Colonia als letzte, meist tödliche Station für hunderte Regimegegner.

Die Filmemacher nähern sich Schritt für Schritt, meisterlich und subtil, den Menschen auf dem heute "Villa Baviera" genannten Areal. Immer tiefer arbeiten sie sich in die alptraumhafte Geschichte ihrer Bewohner vor, rekonstruieren sie und zeigen ihren Alltag heute. Zwischen Arbeit, Chorstunden und den Versuchen, Spanisch zu lernen. Psychologen bemühen sich, ihnen mittelfristig eine Eingliederung in die chilenische Gesellschaft zu ermöglichen, während gegen viele von ihnen noch gerichtliche Verfahren laufen.“...

TAGESSPIEGEL:
...“Verdrängung als typisch deutsches Lebensprinzip untersuchen Martin Farkas und Matthias Zuber in der aufschlussreichen Dokumentation „Deutsche Seelen“ auf dem Gelände der ehemaligen Colonia Dignidad aus der chilenischen Schreckenswelt des Diktators Pinochet: Viele Bewohner erhalten die Gemeinschaft nach der Verhaftung des pädophilen Sektenführers Paul Schäfer weiterhin aufrecht. Bemerkenswerter als die erzählten Fakten aus dem gewalttätigen Sektenalltag sind die Funktionsmechanismen bigotter Doppelmoral und die psychischen Ausweichmanöver, die frappierend an die Verdrängungskultur im Nachkriegsdeutschland erinnern.“ ...

AUS DER JURYBEGRÜNDUNG DER FBW (Prädikat BESONDERS WERTVOLL):
...Deutsche Seelen (ein markanter Titel!) ist ein bedrückendes dokumentarisches Zeugnis über das Trauma der menschlichen Erniedrigung und Zerstörung. Der Film versucht auch den Menschen Stimme zu geben, die ihre Selbstbestimmung eingebüßt haben und mehr als mühsam versuchen, wieder einen Weg dahin zu finden. Der Film zeigt diesen Prozess ohne Illusionen und übertriebenen Optimismus. Es sind ja immer noch ganz andere Stimmen dominant. Es spuken zuhauf die geschönten Erinnerungen....
Etwa mit dem Gestus: „Wir haben gesungen, gepredigt, wir waren glücklich.“ Die Zeugen des Films haben „ein System gelebt“ und sie haften heute noch daran („Die Wahrheit hat gegolten... Wir waren Kameraden...“). Eine „Kultur“ des Das-habe-ich-nicht-gewusst wird in all seinen erschreckenden Tiefen sichtbar, uns Deutschen ja aus anderen geschichtlichen Epochen mehr als vertraut. Und immer wieder der Blick auf schwer reparierbare Lebensverletzungen.



Presseheft
Presseheft DEUTSCHE SEELEN (PDF)
Website
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MOVIE FACTS
Originaltitel: Deutsche Seelen
Genre: Dokumentarfilm
Land: Deutschland
Herstellungsjahr: 2009
Lauflänge: 92
Regie: Martin Farkas, Matthias Zuber