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Vom krummbeinigen Bäckergehilfen zum Star der Theaterbühnen und des expressionistischen Films.

Der Schauspieler Alexander Granach erobert in der Weimarer Zeit die Berliner Bühnen im Sturm. Er arbeitet mit Bertolt Brecht und Erwin Piscator und wird mit seiner Rolle in Murnaus Nosferatu unvergesslich. Regisseurin Angelika Wittlich geht in ihrem Film auf eine beeindruckende Zeitreise.

Sie beginnt mit seiner Kindheit in Galizien (heute Ukraine), folgt seinen Spuren in Deutschland und den Stationen seines Exils in Polen, der UdSSR, der Schweiz bis nach New York und Hollywood, wo Granach mit Lubitschs Ninotschka seine amerikanische Karriere beginnt. Über alle Entfernungen hinweg hält er fest an seiner „großen ewigen Liebe“, der Schweizer Schauspielerin Lotte Lieven.

Juliane Köhler und Samuel Finzi lesen aus Granachs Briefen an Lotte und aus seiner Autobiographie „Da geht ein Mensch“ und machen diesen Giganten der Schauspielkunst und kraftvollen Schriftsteller lebendig.

Über Alexander Granach

"Der Schauspieler Alexander Granach hat 'Erinnerungen' geschrieben. Kind armer galizischer Juden, Bäckergehilfe, dann Schauspielschüler, der sich in einer Operation die X-Beine gradbrechen läßt, damit er im Trikot auftreten kann. Ich erinnere mich seiner, wie er in München um 1920 herum den Shylock spielte, frech, aufdringlich, brüllend, dass der Kronleuchter wackelte, sehr farbig."

(Bertolt Brecht, Arbeitsjournal, 15.10.1943)

Als habe das deutsche Theater nur auf ihn gewartet, wurde Alexander Granach, kaum aus italienischer Kriegsgefangenschaft entflohen, sofort zum Star. In München spielte er 1920 die Titelrollen in KAIN von Anton Wildgans und HIDALLA von Frank Wedekind. Er stand, gerade 28 Jahre alt, zum ersten Mal in seiner Traumrolle, dem Sylock auf der Bühne der Münchner Kammerspiele. Im Jahr darauf holte man ihn nach Berlin. Berlin war damals die lebendigste Theaterstadt der Welt. Am Lessing-Theater feierte er 1921 Triumphe in der Titelrolle von DER LASTERHAFTE HERR TSCHU, seine Partnerin hatte er sich aus München geholt, Elisabeth Bergner. Mit ihr trat er im Jahr darauf in der Skandal umwitterten Uraufführung von Arnold Bronnens VATERMORD im Deutschen Theater auf. Er wurde der Star des neuen, expressionistischen Theaters.

Granach arbeitete in den folgenden Jahren mit allen Theaterlegenden zusammen. Er spielte Hauptrollen in Erwin Pescators revolutionären Inszenierungen an der Voilksbühne, er arbeitete mit Leopold Jessner, Bert Brecht, Jürgen Fehling, Heinz Hilpert u.a. Er machte auch aus einer Nebenfigur die Hauptperson. Leopold Lindberg: "Granach geriet in die wildeste Phase des deutschen Theaters und war in wenigen Jahren der expressionistische Schauspieler Berlins."

Fast gleichzeitig mit seinem Start an den Berliner Theatern debütierte er im Film. Sein pantomimischer Stil war wie geschaffen für den Stummfilm. Friedrich Wilhelm Murnau engagierte ihn für seine erste Filmrolle als makabrer Hausmeister Knock in NOSFERATU. Auch im Tonfilm ging Granachs Karriere nahtlos weiter.

1933 fand Granachs triumphale deutsche Theater- und Filmkarriere ihr jähes Ende. Verfolgt von den Nazis, flüchtete er über Wien nach Polen. 1936 wurde er in die Sowjetunion eingeladen und spielte dort u.a. den Shylock am Theater Kiew. Ende 1937 wurde er wegen Spionageverdachts verhaftet. Lion Feuchtwanger intervenierte bei Stalin, Granach wurde freigelassen und floh nach Zürich. Als die Schweiz ihm den Aufenthalt nicht verlängerte, gelangte er 1938 mit einem Visum nach Amerika. In New York schlug er sich durch, lernte Englisch, knüpfte Verbindungen mit anderen Emigranten. Dann holte ihn William Dieterle nach Hollywood und Granachs amerikanische Filmkarriere startete brillant mit Ernst Lubitschs NINOTSCHKA. 1945 gelang ihm sogar wieder der Sprung auf die Bühne nach New York, auf den Broadway. Dort starb er am 14.03.1945 an einer verschleppten Blinddarmentzündung.

Die Veröffentlichung seines autobiografischen Romans DA GEHT EIN MENSCH hat er nicht mehr erlebt.

 

 

 

 

Cast & Credits

Regie: Angelika Wittlich

Produzentin: Uschi Reich (Bavaria Filmverleih- und Produktions-GmbH)

mit Juliane Köhler, Samuel Finzi, Gad Granach, Thomas Langhoff.

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